Cruising Territories

26/05/2026 - 11/07/2026


Cruising Territories
26.05 – 11.07.2026

Künstler: Heba Y. Amin, Janet Bellotto, Aslı Çavuşoğlu, Fatoş İrwen, Sim Chi Yin, Wie-yi T. Lauw, und Cengiz Tekin
Kuratiert von: Ece Ateş & Lusin Reinsch

Eröffnung: Saturday, 23.05.2026, 18:00–20:30
Zilberman | Berlin Goethestr. 82

Land wird oft als stabil und das Meer als fließend imaginiert. Doch diese Gegenüberstellung  beginnt sich in dem Moment aufzulösen, in dem wir genauer hinsehen. Unter den fragilen Linien, die zu ihrer Eingrenzung gezogen wurden, verändert sich leise eine rastlose Oberfläche: Sand wandert, Inseln driften, Küstenlinien erodieren, Grenzen verschieben sich. Was also geschieht, wenn Land und Wasser aufeinandertreffen – nicht als Gegensätze, sondern als eine sich ständig verschiebende Schwelle, an der Stabilität und Wandel, Kontrolle und Widerstand kontinuierlich ineinanderfließen?

Cruising Territories versammelt Arbeiten von Heba Y. Amin, Janet Bellotto, Aslı Çavuşoğlu, Fatoş İrwen, Sim Chi Yin, Wie-yi T. Lauw und Cengiz Tekin und entfaltet sich über instabile Territorien hinweg. Koloniale Handelsrouten bestehen hier als aktuelle Netzwerke fort, während extraktive Infrastrukturen und spekulative Vergangenheitsentwürfe Land und Meer aktiv als anhaltende Systeme der Ausbeutung neu organisieren. Vor diesem Hintergrund erscheinen Geschichte, Erinnerung und Imagination nicht als passive Aufzeichnungen, sondern als wirksame Kräfte, die bestimmen, wie Raum wahrgenommen, verwaltet und durchquert wird.

Innerhalb dieser Schwellenräume bewegt sich die Ausstellung entlang der Unterscheidung von Gilles Deleuze und Félix Guattari zwischen glattem (smooth) und gekerbtem (striated) Raum. Glatter Raum evoziert Offenheit, Fließbewegung und Bewegung – etwa in natürlichen Landschaften wie Wüsten oder Gewässern –, während gekerbter Raum strukturiert, vermessen und kontrolliert ist, wie etwa Handelsrouten, Grenzen oder militärische Gebiete. Doch dies sind keine feststehenden Zustände; vielmehr sind sie miteinander verschränkt und gehen ständig ineinander über. Diese Dynamiken werden an Orten greifbar, an denen Instabilität an die Oberfläche tritt: den wandernden Ufern von Sable Island, den ausgebaggerten Flussläufen des Mekong-Deltas und den militarisierten Gewässern des Mittelmeers. Hier stehen Stabilität und Instabilität nicht im Gegensatz zueinander, sondern koexistieren und bringen Territorium als ein dynamisches und umkämpftes Feld hervor.

Cruising Territories treibt inmitten dieser Spannungsfelder. „Cruisen“ bedeutet hier nicht bloß, sich durch Raum zu bewegen, sondern Unsicherheit zu navigieren; Routen zu folgen, die nicht vollständig kartiert sind, und aufmerksam zu bleiben für das, was sich verschiebt, entgleitet und sich einer eindeutigen Festlegung entzieht. Die Ausstellung überdenkt, was es bedeutet, auf einem Boden zu stehen, der niemals ganz stabil ist, und Formen der Zugehörigkeit in einer Welt in ständiger Bewegung zu imaginieren.


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Artist Pages
  - Heba Y. Amin
  - Janet Bellotto
  - Sim Chi Yin
  - Fatoş İrwen
  - Cengiz Tekin